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Wecker und mehr...

(Text:Thom Deilißen, Fotos:Claudia Hofmair)
Schon um Viertel nach Sieben ist der Theatersaal der „Pasinger Bühne“ in der „Prinzregenten-Gaststätte“ in der Benedikenstraße in Pasing, voll besetzt.

Ein besonderer Montagabend der monatlichen Treffen des „Künstlerkreises Kaleidoskop“ steht an. Ein ganz außergewöhnlicher Gast hat sein Kommen zugesagt. Konstantin Wecker. Pünktlich um Acht Uhr begrüßt Csaba Gál, der rührige Macher des Events, die Zuhörer in dem bis auf die letzten Plätze besetzten Saal. Besonders spricht er den ungarischen Konsul Herr Dr. Krisztián Janzsó , und die Konsulin Frau Rita Chiovini an, die sich für diesen Abend Zeit genommen haben.
Nach einigen Informationen über die mystische Bedeutung der Kirschblüte, das Motto des kommenden Vortrages, stellt Thom Delißen, der den Abend moderieren wird, die japanische Mezzosopranistin Ayuko Taguchi zusammen mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Jörg Göller vor. In ihrer Musik, so Delißen, zeige sich der Einfluss zeitgenössischer klassischer Musik der westlichen Hemisphäre auf die wunderbare Arbeit der Künstler.
„Ihre Darbietung schwingt in alter japanischer Dicht und Musikkunst genauso wie ein Hauch westlicher Tongebung mitspielt, – das Ergebnis ist frohe, stimmungsvolle, mitreißende Kunst.
Stellen sie sich die blühenden Kirschbäume Japans vor, die Millionen roséfarbener Blüteblätter, den milden Duft, den sie verströmen.“

Das Duo Taguchi /Göller wird der Sache mehr als gerecht. Ein Brückenschlag zwischen den Welten, - das hervorragende Klavierspiel Jörg Göllers, im Zusammenklang mit der glockenhellen Stimme seiner in ihrer Heimatsprache singenden Frau. Von Kirschblüten ist in den drei Liedern die sie vortragen die Rede – und diese Aussage versteht jeder der Besucher, auch die, die kein Japanisch beherrschen. Eine wunderbare Atmosphäre beginnt sich im Saal aufzubauen, die Klänge verzaubern ganz einfach. Mit der Idee der Blüten leitet Delißen den Abend weiter, zur Schriftstellerin Regine Luczak, seit mehr als Zehn Jahren in München wohnhaft,
“ Aus dem fernen Norden hat uns ein milder Wind eine weitere Blüte zugeweht. Sie begann Ihre literarische Karriere mit dem Gedichtband. „Ende einer Begegnung“ Ihre Fähigkeiten als Schriftstellerin und Künstlerin beweist sie aber auch beim Schreiben von Phantasy, Krimi, oder Historienromanen, genauso, wie sie im Bereich der Liedermacher und Chansoniers spazieren geht.

Ihr neuestes Werk „Zugvogel“, in der sie erneut diese bestimmende Facette ihres Schaffens zeigt, die erotische Erzählung, ist vor einigen Monaten in zwei Bänden erschienen. Wir freuen uns, jetzt einzusteigen in die faszinierende Textwelt von Regine Luczak.“
Locker und mit viel Humor beginnt die Autorin zu plaudern, erzählt von ihren Erfahrungen bei der Partnersuche im Internet. Sie hätte das aus schriftstellerischem Ehrgeiz ausprobieren müssen. Dann liest sie, gewohnt souverän, die so entstandene Kurzgeschichte, erzählt von liebeswilligen Klingonen, deren Sprache man zuerst zu lernen gezwungen sei, von vergeblicher Suche nach Kleid und Frisur fürs angesagte Date. Das Publikum geht mit.
So ist die Stimmung im Saal, wie den ganzen Abend über, gelöst, als der Leiter des Kaleidoskop Csaba Gál vorgestellt wird.
„Nun, sehr verehrte Gäste darf ich Ihnen Csaba Gál auf die Bühne rufen, den Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop und seines Zeichens Gitarrist, Poet, Theatermann, ein ausdrucksstarker Liedermacher mit ungarischem Charme .
Er ist ein sensibler Liedermacher, zart, einfühlsam, fröhlich mit Gespür für die Zwischentöne. Ein subtiler, romantischer Träumer, in dessen Chansons, seiner Poesie, durchaus ein warmer Frühlingswind weht, eine Aufforderung zum Tanz durch das Leben verpackt ist. Doch auch zu einer aufrichtigen Anteilnahme, zu Empathie, letztendlich zum Glück, an dem jeder von uns teilhaben kann.“
Der Sänger nimmt das Mikrofon, intoniert das erste von zwei Liedern. Wunderbare musikalische Poesie. Dann der zweite Chanson.
In den kommenden Minuten scheint ein lauer Frühlingswind durch die Halle zu wehen. Von Csaba Gál herzlich dazu gebeten, singt Konstantin Wecker, seine Stimme hebt sich deutlich ab, zusammen mit dem Publikum, den Refrain des Liedes „Bonjour Soleil“. Man erwartet jeden Moment eine Menge an Feuerzeugflammen und Sternchenwerfer zu sehen. Schließlich, nach einem kräftigen Durchatmen im Saal, begrüßt Csaba Gál den Musikpoeten Konstantin Wecker mit anrührenden Worten. Einhervorragend inszenierter Abend nimmt seinen glänzenden Fortgang.
Ein äußerst gut gelaunter Konstantin Wecker (In Anspielung auf den rustikal altbayerischen Hintergrund des Bauerntheaters der „Pasinger Bühne“: „Ich trinke sonst niemals auf der Bühne, aber hier geht es ja fast nicht anders.)
trägt dann mit hervorragender Erzählstimme, nachdem er eine kurze Zeit mit dem Publikum gescherzt hat, Auszüge aus den Anfangsseiten seiner Biografie, „Die Kunst des Scheiterns“ vor, die vorzustellen sein Anliegen an diesem Abend ist. Von des Vaters und seiner Liebe zur Oper, zu Puccini hören wir, von Ausbruchsversuchen des jungen Konstantin, der eine Karriere als freier Dichter anstrebt.
Konstantin Wecker erhebt sich, setzt sich ans Klavier. Performanced in einzigartiger Weckermanier, ein bluesiges, fast Jazz angehauchtes Lied. Dann bringt er, selber grinsend über seine jugendlichen und sonstigen Eskapaden, dem begeisterten Publikum humorig weitere Auszüge aus dem Buch, Erneut eine musikalische Einlage, passend zu den mit einer ausgezeichneten Betonung vorgelesenen Textstellen. Die Stimme Weckers hat ein besonderes Timbre, sie fasziniert, sowohl im Lied, als auch beim Zitieren von Literatur. Er gibt den Wörtern und Klängen Leben.

Ein drittes Lied, die letzten Sätze – Konstantin Wecker intoniert, ohne sich mit dem Klavier zu begleiten,“Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“ eine mitreißende Arie gegen die Ja-Sager in den Systemen, ein Bekenntnis zur freien Meinung, eine Aufforderung zum kritischen Hinsehen. Standing Ovation, alle sind glücklich, die Gäste im Saal begeistert.
Ein toller Abend mit hervorragenden Künstlern, ein Ereignis, das im Gedächtnis haften bleiben wird, geht zu Ende.

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