Interview von Uwe Kullnick, Künstlerkreis Kaleidoskop, mit dem Autor Jan-Eike Hornauer: 

 

U.K.: Wenn Du nur 5 Worte hast, um Dich selbst zu beschreiben. Was würdest Du sagen?

Jan-Eike Hornauer:  

Groß, ehrlich, vorlaut (mal im Sinne von meinungsstark, mal in dem von witzig-frech), direkt, loyal.

U. K.: Erzähl uns doch kurz, wer Du bist und woher Du kommst.

Jan-Eike Hornauer: 

Zur Herkunft: Meine Vorfahren entstiegen dem Ur-Ozean, dann nannten sie sich Adam und Eva. Und die räumten im Paradies erst einmal auf. Oder so ähnlich. Ich bin in Bayern zur Schule gegangen, da stand der Lehrer im Klassenzimmer unterm Kreuz und hat uns erklärt, was Säkularisation ist und dass wir Gott sei Dank die Trennung von Kirche und Staat haben. Ordnung war auch irgendwie wichtig. Das drückt sich nun in meinem anthropologischen Herkunftsbekenntnis aus. 

Passend zu diesem Bild des paradieseröffnenden und -vernichtenden Landgangs bin ich selbst küstennah in die Welt geworfen worden, nämlich in Lübeck, aufgewachsen bin ich dann in Hausen bei Aschaffenburg. In Würzburg habe ich Germanistik und Soziologie studiert, und heute lebe ich als freier Textzüchter (Autor, Herausgeber, Lektor, Texter) in München. Das geschriebene Wort ist es also, was mich beschäftigt – ob es nun aus der Werbung kommt, in wissenschaftlichen Arbeiten steckt oder im Belletristischen beheimatet ist. Wobei mir Letzteres natürlich am liebsten ist. Doch, ökonomisch motiviert, hege ich auch die Texte aus den beiden erstgenannten Bereichen hingebungsvoll.

 

U. K.: Schreibst Du das, was Du schreiben möchtest, oder das, was die Leser erwarten?

Jan-Eike Hornauer:  Auf die Belletristik bezogen: das, was ich schreiben möchte. 

U.K.: Wie kommst Du als Germanist, Lektor, Korrektor und Herausgeber zum Schreiben, und was schreibst Du?

Jan-Eike Hornauer:  Ich schreibe Kurzgeschichten und Gedichte. Die Prosatexte sind grundsätzlich (wenngleich nicht ausnahmslos) im realen Jetzt angesiedelt, auch wenn sie zumeist keinen bestimmten Handlungsort haben und natürlich immer wieder durch ungewöhnliche Vorkommnisse und Perspektiven überraschen sollen. Vampire und Historien-Schmöker-Haftes gibt es bei mir nicht, Krimi-Geschichten nur wenige, real existierende Stadt- oder Straßennamen kaum. Mich interessieren vor allem die Brüche in Welt, Gesellschaft und Sprache. Und die verarbeite ich dann mit unterschiedlichen stilistischen Ansätzen (vom reinen Monolog einer Figur bis hin zur klassischen auktorialen Erzählung) und auf Basis unterschiedlicher Stimmungslagen: vom todernsten, melancholischen bis zum satirischen oder gar albernen Text kommt alles vor. Meine Gedichte decken ebenfalls diese Stimmungsbandbreite ab, im Vordergrund steht hier aber das komische Gedicht. Es ist mein besonderes Steckenpferd. Nicht zuletzt deshalb habe ich auch als Herausgeber bereits zwei Bände mit neuer komischer Lyrik verantwortet (Wortbeben und Der schmunzelnde Poet) und mit Schallende Verse auch einen Soloband mit dem Untertitel vorwiegend komische Gedichte veröffentlicht. Reim und Metrik sind in meiner Lyrik meist bestimmende Elemente.

Zum Schreiben komme ich, weil ich mir Freiräume dafür schaffe. Dass ich aus purer Verzweiflung mit dem Schreiben anfange, weil ich sonst nicht weiß, wie ich die viele unausgefüllte Zeit rumkriegen soll, das passiert mir eher nicht. Viele Laien sagen ja: Ich würd ja auch so gern schreiben, aber ich hab keine Zeit dafür. Nun, das geht mir und den meisten meiner Kollegen auch so, dass die Zeit knapp ist. Da muss eben die Priorität hoch genug sein, dann geht trotzdem was.

U.K. Kennst Du beim Schreiben des ersten Satzes das Ende des Textes/Gedichtes?

Jan-Eike Hornauer: So gut wie nie.

U. K.: Was ist für Dich das Besondere am Schreiben eines neuen Buches, einer Kurzgeschichte oder Deiner Gedichte?

Jan-Eike Hornauer:  Dass etwas entsteht, das es vorher nicht gab. Und dass ich mich ausdrücken, meine Sichtweise so darlegen kann, dass sie interessiert. Im Ernsten wie im Komischen.

U.K.: Du hast Bücher wie Grotesk! oder Der schmunzelnde Poet herausgegeben, wieso gerade diese? 

Jan-Eike Hornauer: Grotesk! ist ja ein Prosa-Band, Der schmunzelnde Poet eine Lyriksammlung. Beiden gemein ist: Sie sind Versuche, ein Stück weit Literaturgeschichte mit fortzuschreiben. Sie haben sich mit der Groteske bzw. dem komischen Gedicht je eine literarische Gattung vorgenommen, die eine große Tradition hat und durchaus auch ihre Anhänger, deren neue Texte aber zumeist allenfalls irgendwie verstreut veröffentlicht werden. Hier sind nun neue, erstmals gedruckte Texte einer Gattung an einem Ort versammelt, um diese Genres zu würdigen und auch ein wenig fortzuführen. Der Anspruch ist also schon etwas größenwahnsinnig: das Fortschreiben von Literaturgeschichte. Die Bücher können sich aber selbst vor diesem Hintergrund durchaus sehen lassen! Und allgemein gilt für mich: Dass ein Buch auch noch leben kann, wenn man selber schon tot ist, ist etwas Wunderbares. Entsprechend lohnt es sich auch, diese Chance zu nutzen und Bücher zu machen, die nicht nur heute irgendwie interessant und morgen schon völlig überflüssig sind, sondern eben echte Substanz und Relevanz haben. Deswegen habe ich mir diese Themen ausgesucht – und mich sehr gefreut, für diese doch einigermaßen exotischen und wirtschaftlich betrachtet nicht zwangsläufig wahnsinnig interessanten Vorhaben dann auch einen Verlag gefunden zu haben.

U. K.: Verse zu schreiben ist nichts Alltägliches. Wie kommst Du zur Lyrik und was ist für Dich das Schöne daran?

Jan-Eike Hornauer: Es ist eine komprimierte Form, die ein sehr hohes Maß an Genauigkeit im Umgang mit Sprache erfordert. Und gerade im metrischen und gereimten Bereich so manche Herausforderung bereithält, die es so in an anderen Textgattungen nicht gibt. Zum Beispiel hätte man gerade das für diese Stelle perfekte Wort, das auch vom Klang und der exakten Stimmungslage, die ihm anhängt, passt. Es bietet überdies einen guten Reim und der Rhythmus stimmt auch. Doch es ist zu lang, der Inhalt, der außerdem noch in den Vers muss, würde nicht mehr hineinpassen, weil zum Beispiel das Sonett von der Form her diesen Platz nicht mehr bietet. Was nun? Manchmal ist es extrem nervig, eine Antwort auf diese Frage zu finden, manchmal geht es ganz leicht, immer ist es am Ende, wenn es gelingt, sehr befriedigend.
Auch als Leser liebe ich die Kompaktheit dieser Gattung: einfach schnell auf den Punkt, und das möglichst mit Kunstfertigkeit und überraschenden Gedanken. Dass hier dabei inhaltlich alles abhandelbar ist – und nicht etwa nur in vollem Ernste die Gefühlslage eines isolierten lyrischen Ichs (wie, wohl durch Schullektüre vermittelt, gerne mal angenommen wird) –, diese Offenheit finde ich zudem grandios. Sie ist zwar auch hinsichtlich anderer Textgattungen zu attestieren, dem Gedicht wird sie aber eben gerne mal abgesprochen, deswegen ist sie am Ende doch besonders erwähnenswert. Und als Leser wie als Autor zu pflegen.

U.K.: Wie werden bei Dir Ideen zu Worten?

Jan-Eike Hornauer: Durch Nachdenken. Dann durch’s Schreiben, erst hier finden sich die meisten Worte, die dann wiederum auch zu neuen Ideen führen – oder auch mal in Sackgassen.

U.K.: Kannst Du uns dein Lieblingszitat nennen – und warum gerade dieses? 

Jan-Eike Hornauer: .Der Habicht fraß die Wanderratte / nachdem er sie geschändet hatte. (Robert Gernhardt; aus dem Gedicht Tierwelt – Wunderwelt) Da es zugleich so leichtfüßig-komisch und so deprimierend-existentialistisch ist.

U.K.: Agierst Du immer allein, oder gibt es (Wunsch-)partner?

Jan-Eike Hornauer: Bisher habe ich die Bücher mit meinem Namen auf dem Titel stets alleine verantwortet. Und auch bei der Online-Lyrik-Anthologie Wenn Liebe schwant, die neue komische Liebesgedichte von 20 Autoren versammelt und auf dasgedichtblog.de erschienen ist, bin ich der alleinige Herausgeber. Ich habe aber nichts gegen eine Zusammenarbeit mit anderen. Zum Beispiel ist man als Herausgeber und Lektor einer Sammlung ja nie wirklich Einzelkämpfer, sondern arbeitet eben, teilweise sehr intensiv, mit den Autoren zusammen an den Texten; und das ist dann auch die spannendste, schönste und herausforderndste Phase einer Herausgabe, das Lektorat. Außerdem habe ich im Rahmen der Anthologie-Projekte des Münchner Künstlervereins REALTRAUM e. V., in dem ich langjähriges Mitglied und zweiter Vorsitzender bin, auch schon Erfahrung damit gesammelt, wie es ist, wenn man sich stark für ein Buchprojekt engagiert, aber eben nicht alle Entscheidungen mehr oder weniger alleine treffen kann. Und bei künftigen Projekten wird es auch zuweilen ganz offizielle Co-Herausgeberschaften geben. Eine ist sogar gerade schon angelaufen, und zwar mit Franziska Röchter, ihres Zeichens Lyrikerin, Verlegerin und Herausgeberin. Gemeinsam bringen wir in ihrem Chiliverlag eine Sammlung mit politischen Gedichten heraus.

U.K.: Wie empfindest Du die Notwendigkeit Dich selbst zu vermarkten, oder tust das gar nicht? 

Jan-Eike Hornauer: Es wäre mir lieber, es nicht tun zu müssen. Das Spannende und Herausfordernde, das worum es doch eigentlich geht, ist schließlich die Arbeit am Text, am Buch. Und das als Herausgeber und Lektor genauso wie als Autor. Rezensionen an Land zu ziehen und allgemein die Werbetrommel zu rühren, ist nötig, aber wenn es ohne das ginge, wenn die Besprechungen von alleine – und am besten in noch größerer Zahl als jetzt – erscheinen würden und die Verkaufszahlen von alleine zustande kämen – und noch klar höher wären, schließlich sollen ja auch möglichst viele Leser erreicht werden, ist es ja nicht das Ziel, im Verborgenen zu arbeiten –, wäre das klar schöner.

U. K.: Wer ist für Dich der/die bedeutendste lebende Schriftsteller/in?

Jan-Eike Hornauer: Philip Roth.

U. K.: Was wünschst Du Dir für die Zukunft in Bezug auf dein Schreiben/Herausgeben?

Jan-Eike Hornauer: Tolle Momente mit den Autorenkollegen, Anerkennung von Publikum, Presse und Autoren. Und dass Presse und Verlage bei mir anklopfen – und nicht mehr umgekehrt.

U. K.: Du wirst jetzt im Künstlerkreis Kaleidoskop lesen. Was erwartest Du, was hast Du Dir vorgenommen? 

Jan-Eike Hornauer: Ich erwarte einen schönen Abend, sowohl als Akteur auf der Bühne als auch als Zuschauer, wenn die anderen Künstler auftreten. Und interessante Kontakte und Gespräche. Ich freue mich auf meinen Auftritt bei euch! Speziell vorgenommen habe ich mir nichts.

U. K.:  An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Jan-Eike Hornauer:  An oben bereits erwähnter Anthologie politischer Gedichte, die ich gemeinsam mit Franziska Röchter im Chiliverlag herausgebe. Derzeit werden uns hier Gedichtbeiträge eingesandt – wer will, kann bis zum 30. September noch Gedichte einreichen (Ausschreibung auf: www.textzuechterei.de/weiteres.html). Die besten werden dann von Franziska Röchter und mir ausgewählt, lektoriert und korrigiert sowie, voraussichtlich Anfang 2015, als Buch herausgebracht. Für dasgedichtblog.de, den Online-Ableger von DAS GEDICHT, Europas größter Lyrikzeitschrift, werde ich zudem quasi als Kapitän eine Lyriker-Nationalmannschaft aufs Fußball-WM-Kommentatorenfeld führen: Mit Gedichten begleiten wir dann die laufende WM. Das Besondere hier: Lyrik, die normalerweise ja durch eine geringe Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschwindigkeit gekennzeichnet ist sowie – im gelungenen Fall – durch eine lange Haltbarkeit und überdies – zumindest dem Klischee nach – ja eher das Hohe verhandelt, trifft hier auf die Hochtourigkeit des tagesaktuellen Journalismus mit einem eher profanen Betrachtungsgegenstand. Das wird eine spannende Sache – und bei dem hochkarätigen Team, das sich gerade formiert, können wir uns alle sehr auf die kommenden Fußballgedichte freuen!

Der Autor hat das letzte Wort (was Du sagen möchtest und was Dir wichtig ist):

Danke! Dir, Uwe, für dieses Interview, dem Künstlerkreis Kaleidoskop für die wirklich schöne Auftrittsmöglichkeit und den Lesern dieses Interviews für ihr Interesse. Und nicht vergessen: auf meine Webseite klicken und ganz viele Bücher bestellen ;)

Kontakte: www.textzuechterei.de  

Facebook: https://www.facebook.com/pages/Jan-Eike-Hornauer-Autor-und-Herausgeber/262592957123379 und https://www.facebook.com/janeike.hornauer 

Bücher: Zuletzt als Herausgeber und Mit-Autor: Der schmunzelnde Poet. Neue komische Gedichte und Grotesk! Eine Genre-Anthologie
Solo-Publikation als Autor: Schallende Verse. Vorwiegend komische Gedichte

Weitere Infos zu diesen und den weiteren Büchern sowie Bestellmöglichkeit, auch direkt beim Herausgeber / Autor: http://textzuechterei.de/autor.html 

 

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