
Peter Rubin wechselte aufgrund
eines schweren Verkehrsunfalls vor knapp 20 Jahren die Seiten; vom
Geschäftsmann zum Poeten, vom begeisterten Tennis- und Golfspieler zum
dichtenden Rollstuhlfahrer.
Eigentlich ist es ganz einfach.
Wenn du aus dem Koma erwachst (8 Wochen) dann begreifst du eines -
und zunächst nur das: du
atmest. Und das ist dein Zeichen, du lebst. Du weißt nichts mehr. Kannst nicht
sprechen, dich nicht bewegen, die rechte Seite deines Körpers nimmt keine
Befehle an, du kannst
nicht richtig schauen, was du
siehst ist verschwommen, du kannst nicht sprechen, kein Wort kommt heraus, und
wenn was geäußert wird, dann waren das Lautmalereien. Eines weißt du aber
bestimmt.
Die Reise in den Tod hattest
du schon angetreten. Der Ärzte Erfahrung und Glück und nach 8 Wochen
war dann die Reise ins
Reich des Todes beendet. Ich befand mich auf der Rückreise ins Leben,
ins Reich der Blumen und Blüten, der Musik und hier zunächst der
kammermusikalischen und der Oper.
Ich kam aus der absoluten
Stille und erfreute mich am Liegen im Krankenhausbett wie so ein kleiner Junge,
dem gerade die Mutter ein
kleines Geschenk gebracht hatte. Ich überschaute die Konsequenzen nicht.
Ich war wie neugeboren. Musste
Sprechen und Schreiben lernen wie ein kleines Kind - nur ging das nicht mehr
ganz so einfach. Willen, Neugier und eine absolute Freude am Leben gehörten
zum langen Rückweg in die Welt der Aufrechten.
Peter Rubin, Dichter und Autor, hat sich zum Ziel gemacht,
jungen Leuten Lust und Freude am Umgang
mit der Sprache zu vermitteln. Er hat die ‚PeterRubinSchule‘ für Kinder gegründet. Seine ‚Lehrtätigkeit‘
findet in mehreren Klassen in Real- und Hauptschulen
schon im zweiten Jahr statt. Viele der
Kinder sind keine Deutschmuttersprachler. Auch hat
er den ‚PeterRubinPoetenPreis‘ in‘s Leben gerufen.
2007 wurden bereits zwei Gewinner, beide Schüler der
Realschule Vaterstetten, prämiert. Daraus
soll ein Gedichtband entstehen, für den noch ein
Sponsor gesucht wird. Ein weiterer Schwerpunkt
liegt bei den ‚Ethischen Gesprächen‘, die im Rahmen der ‚Universität der Bundeswehr München‘ nun
schon im dritten Jahr stattfanden. Aus den vielen
Mails und Briefen haben wir Ihnen einen Artikel aus einer Schülerzeitung
und ein Gedicht ausgewählt. Das Gedicht ist eines
von vielen, das innerhalb von 30 Minuten während seiner Anwesenheit
entstand. „Bemerkenswert war dabei die Stille, die
im Klassenraum vorherrschte. Das Gedicht ist nicht abgeändert oder
verbessert worden“, so Peter Rubin,
dessen Motto ist: Nutze das bessere Wort.
Aufwachen, aufstehen, atmen.
Für uns alle das Normalste der Welt. Kurz: Alltag.
Doch vor einiger Zeit bekam unsere Klasse Besuch von
jemandem, der all
diese Dinge als etwas ganz Besonderes sieht. An eben
so einem ganz normalen
Tag kam der Dichter Peter Rubin
zu uns in die Klasse 9b, erzählte seine
Lebensgeschichte und wie er jeden Tag aufs Neue
genießt. Denn vor über 15
Jahren hatte er einen schweren Autounfall, lag
daraufhin lange im Koma. Peter
Rubin musste alles wieder von vorne lernen. Es
begann für ihn ein neues,
nicht gerade leichtes Leben. Doch er gab nie auf und
machte Tag für Tag Fortschritte.
Im Gegenzug für all die
Strapazen bekam er allerdings etwas, was
man für kein Geld der Welt kaufen kann: Ein mit
Liebe erfülltes Herz und eine
Sichtweise, die es ihm ermöglicht, Leben als das
Wunder wahrzunehmen,
welches es ist.
Es ist auch äußerst bewundernswert, dass er die
Jugend bei alldem nicht vergessen
hat. Mehrmals nahm er Anstrengungen und Mühen auf
sich, nur um
unserer Klasse seine Lebensansicht näher zu bringen
– und es zeigte Wirkung!
Jeder nahm einen Stift zur Hand und gab einfach das,
was er sah und fühlte,
in Gedichtform wieder. Wir alle schauen uns seitdem
genauer um, achten
aufmerksamer auf unsere Umgebung und nehmen auch die
kleinen Dinge des
Lebens bewusster als etwas ganz Besonderes wahr.
Und dafür, Herr Rubin, sagen wir Dankeschön.
Oliver Jung, Klasse 9b
Aus der Schülerzeitung der
Staatl. Realschule Vaterstetten